Kalkulation2026-01-297 Min. Lesezeit

Beverage Cost berechnen: Getraenkekalkulation fuer Bar und Restaurant

Der Beverage Cost ist fuer viele Gastronomen eine vernachlaessigte Kennzahl. Dabei steckt genau hier enormes Margenpotenzial. Lernen Sie, Cocktails, Weine und Spirituosen korrekt zu kalkulieren.

Warum der Beverage Cost so wichtig ist

Waehrend die meisten Gastronomen ihren Food Cost penibel im Blick haben, wird der Beverage Cost haeufig vernachlaessigt. Dabei macht das Getraenkegeschaeft bei gut gefuehrten Betrieben 25-40 Prozent des Gesamtumsatzes aus, und zwar mit potenziell deutlich besseren Margen als die Kueche.

Ein Cocktail fuer CHF 18.00 kostet an Zutaten oft weniger als CHF 3.60. Das entspricht einem Beverage Cost von 20 Prozent, also eine Rohwarenmarge von 80 Prozent. Wein und Spirituosen koennen aehnlich profitabel sein, wenn sie richtig kalkuliert werden. Doch ohne systematische Getraenkekalkulation geht viel von diesem Potenzial verloren: durch Schwund, falsche Portionierung, unzureichende Einkaufspreise und fehlerhafte Kalkulation.

In diesem Artikel lernen Sie, den Beverage Cost Schritt fuer Schritt zu berechnen, Richtwerte fuer verschiedene Getraenkekategorien zu verstehen und typische Verlustquellen zu identifizieren.

Was ist der Beverage Cost? Definition und Formel

Der Beverage Cost (auch: Getraenkekostenquote oder Pour Cost) ist der prozentuale Anteil der Getraenkeeinkaufskosten am Getraenkeumsatz.

Formel:

Beverage Cost = (Getraenkeeinsatz / Getraenkeumsatz) × 100

Beispiel: Ihre Bar verkauft in einem Monat Getraenke fuer CHF 28.000 (netto). Ihr Einkauf an Alkohol, Mixern, Saefte und Getraenke betrug CHF 6.440. Ihr Beverage Cost betraegt dann:

6.440 / 28.000 × 100 = 23%

Das liegt im Zielbereich. Liegt Ihr Beverage Cost dauerhaft ueber 28 Prozent, sollten Sie die Ursachen analysieren.

Richtwerte nach Getraenkekategorien

Nicht alle Getraenke haben denselben Ziel-Beverage-Cost. Hier sind die Richtwerte fuer die Schweizer Gastronomie:

Kategorie Beverage Cost Ziel Typischer Verkaufspreis
Bier (Fassbier) 18-22% CHF 6.50-9.00 / 3dl
Bier (Flasche) 22-28% CHF 7.00-10.00 / 33cl
Wein offen (Haus) 25-35% CHF 8.00-14.00 / dl
Wein offen (Premium) 28-38% CHF 14.00-22.00 / dl
Weinflasche 30-45% 2.5-3.5× EK-Preis
Spirituosen (pure) 15-22% CHF 9.00-18.00 / 4cl
Cocktails 15-22% CHF 16.00-24.00
Longdrinks 18-25% CHF 14.00-18.00
Softdrinks 8-15% CHF 4.50-6.00
Kaffee 8-12% CHF 4.50-5.50
Wasser 5-10% CHF 4.00-6.00 / 50cl

Der gesamte Beverage Cost ueber alle Kategorien sollte zwischen 18 und 25 Prozent liegen.

Cocktail-Kalkulation: Schritt fuer Schritt

Cocktails sind das profitabelste Segment vieler Bars, wenn sie korrekt kalkuliert sind. Leider fehlt in vielen Betrieben eine systematische Rezeptur-Kalkulation.

Schritt 1: Alle Zutaten und Mengen definieren

Erstellen Sie fuer jeden Cocktail eine Standardrezeptur mit exakten Mengen in Milliliter. Keine Schaetzungen, keine "ungefaehr ein Schuss". Definieren Sie auch Deko-Kosten (Limettenspalte, Minze, Glas-Rimmer).

Schritt 2: Einkaufskosten pro Milliliter berechnen

Kosten/ml = Flaschenpreis (EK) / Fuellmenge in ml

Beispiel: Vodka-Flasche (0.7L) EK CHF 14.00 → CHF 0.020/ml

Schritt 3: Rezepturkosten addieren

Beispielkalkulation: Classic Margarita

Zutat Menge EK/ml Kosten
Tequila (Blanco) 50 ml CHF 0.035 CHF 1.75
Triple Sec 25 ml CHF 0.022 CHF 0.55
Limettensaft (frisch) 25 ml CHF 0.018 CHF 0.45
Agavensyrup 10 ml CHF 0.012 CHF 0.12
Limettenspalte (Deko) 1 Stueck CHF 0.10 CHF 0.10
Salz-Rimmer 1 Portion CHF 0.05 CHF 0.05
Total Rezeptkosten CHF 3.02

Schritt 4: Verkaufspreis und Beverage Cost bestimmen

Bei einem Verkaufspreis von CHF 18.00:

Beverage Cost = 3.02 / 18.00 × 100 = 16.8%

Sehr gut. Bei einem Ziel-Beverage-Cost von 20 Prozent waere sogar ein guenstigerer Preis von CHF 15.10 moeglich, oder Sie verwenden hochwertigere Zutaten und rechtfertigen CHF 20-22 auf der Karte.

Weinpreise kalkulieren: Die richtige Preismethode

Bei Wein gibt es zwei gaengige Kalkulationsmethoden in der Gastronomie:

Methode 1: Faktor-Methode (einfach)

Verkaufspreis Flasche = EK-Preis × Faktor

Typische Faktoren in der Schweiz:

  • Hauswein: Faktor 2.5-3.0
  • Mittelklasse (CHF 10-20 EK): Faktor 2.8-3.5
  • Premium (CHF 20-50 EK): Faktor 2.5-3.0
  • Luxus (> CHF 50 EK): Faktor 1.8-2.5 (Absolut-Marge wichtiger)

Methode 2: Offenausschank (dl-Preis)

Beim offenen Ausschank rechnen Sie:

Preis/dl = (EK Flasche + Risikozuschlag Restwein) / Fuellmenge × Faktor

Eine 75cl-Flasche mit EK CHF 12.00 ergibt bei einem Faktor von 3.2 CHF 38.40 pro Flasche oder CHF 5.12 pro dl. In der Praxis rundet man auf CHF 8.50/dl, was einem Faktor von ca. 5.3 entspricht. Dieser hoehere Faktor ist gerechtfertigt, da nicht jede Flasche vollstaendig verkauft wird (Offenbestand-Verlust) und der Aufwand pro dl hoeher ist.

Weinliste strukturieren:

Bieten Sie Weine in drei Preislagen an:

Segment EK-Preis Flasche VK Glas (1dl)
Hauswein CHF 8-12 CHF 28-38 CHF 7-9
Mittleres Segment CHF 14-22 CHF 48-68 CHF 10-14
Premium CHF 25-50 CHF 75-140 CHF 16-22

Der Hauswein sollte Ihre hoechste Umschlagshaeufigkeit haben und gut kalkuliert sein. Das mittlere Segment bietet die beste Kombination aus Marge und Upselling-Potenzial.

Schwund und Verlust an der Bar: Die verschwiegenen Kosten

Ein gut kalkulierter Beverage Cost nuetzt wenig, wenn an der Bar Schwund entsteht. In einer typischen Bar entgehen 8-15 Prozent des theoretischen Umsatzes durch verschiedene Verlustquellen:

Haeufige Verlustquellen:

Verlustquelle Typischer Anteil Massnahme
Zu grosszuegige Einschenken 3-5% Jigger-Pflicht, Schulung
Mitarbeiternachlaesse (unkontrolliert) 2-4% Klare Rabattregelung, Kassenerfassung
Probetrunk / Degustationen 1-2% Protokollierung, Limite setzen
Verderb / offene Flaschen 1-3% FIFO, Reste verwenden
Diebstahl 0-3% Inventurkontrollen, Kamerasystem
Fehlbuchungen im POS 0-2% Regelmassige POS-Pruefung

So ermitteln Sie Ihren tatsaechlichen vs. theoretischen Beverage Cost:

  1. Berechnen Sie den theoretischen Beverage Cost: Was haette die Bar laut Kassenbuch und Standardrezepturen kosten duerfen?
  2. Messen Sie den tatsaechlichen Beverage Cost: Was hat der echte Wareneinsatz laut Inventur betragen?
  3. Die Differenz ist Ihr Verlust- und Schwundanteil.

Liegt die Differenz unter 2 Prozent, ist das akzeptabel. Bei mehr als 4 Prozent besteht dringender Handlungsbedarf.

Pour Cost: Der Bar-spezifische Leistungsindikator

Pour Cost ist im Wesentlichen dasselbe wie Beverage Cost, wird aber speziell fuer Spirituosen und Cocktails verwendet und haeufig pro Kategorie oder sogar pro Flasche berechnet.

Berechnung des Pour Cost:

Pour Cost = (Menge ausgegossen × EK/ml) / Verkaufspreis × 100

Ein gut gefuehrtes Bar-Team hat fuer Spirituosen pur einen Pour Cost von 15-20 Prozent. Bei Signature Cocktails mit teueren Zutaten kann er leicht auf 22-25 Prozent steigen, was durch den hoeheren Verkaufspreis ausgeglichen wird.

Kontrollmethode: Bottle Reconciliation

Erfassen Sie bei jeder Inventur, welche Flaschen geoeffnet, halb voll oder leer sind. Vergleichen Sie den theoretischen Verbrauch laut Kassenverkauf mit dem tatsaechlichen Flaschenzustand. Diese Methode deckt Schwund auf Flaschenniveau auf.

Saisonale Getraenkekalkulation und Aktionspreise

Bier und Longdrinks im Sommer, Glühwein und Heissgetränke im Winter: Saisonale Getraenkekarte halten Ihren Beverage Cost niedrig, weil Sie guenstige saisonale Rohstoffe nutzen.

Saisonale Kalkulations-Tipps:

  • Sommerterassen-Aperitifs: Spritz mit Prosecco und Soda lassen sich bei CHF 14-16 mit Beverage Cost unter 20% kalkulieren
  • Wintergluehwein: Eigenproduktion aus guenstigem Basiswein (CHF 4-5/L) mit Gewuerzen kostet CHF 0.80-1.20 pro Becher, Verkaufspreis CHF 7-9
  • Hausgemachte Limonaden: Basis Zitronensaft, Wasser und Zuckersirup bei CHF 0.30-0.50 Kosten, Verkaufspreis CHF 5-7

Aktionen und Happy-Hour-Preise sollten immer kalkuliert sein. Halbieren Sie nie einfach den Preis. Pruefen Sie vorher, ob der Beverage Cost bei der Aktionspreis noch akzeptabel ist.

Digitale Tools fuer die Getraenkekalkulation

Manuell Excel-Tabellen fuer jede Flasche und jeden Cocktail zu pflegen ist aufwaendig. Moderne Gastrosoftware automatisiert:

  • Automatische Berechnung des Beverage Cost bei Preisaenderungen
  • Direkte Verknuepfung von Einkaufspreisen mit Rezeptkosten
  • Inventurabgleich und Schwundberechnung
  • Alarme bei Ueberschreitung des Ziel-Beverage-Cost

Fazit: Beverage Cost ist Ihr unterschaetztes Gewinnpotenzial

Der Beverage Cost ist fuer viele Betriebe ein unterschaetzter Hebel. Wer Cocktails systematisch kalkuliert, Weinfaktoren korrekt ansetzt, Schwund konsequent kontrolliert und saisonale Getraenke nutzt, kann seinen Gesamtbeverage Cost auf 18-22 Prozent halten und damit erheblich zur Gesamtprofitabilitaet beitragen.

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