Kalkulation2026-01-306 Min. Lesezeit

Catering kalkulieren: Angebot erstellen das Gewinn bringt

Wie Sie ein professionelles Catering-Angebot kalkulieren, alle Kostenfaktoren beruecksichtigen und am Ende wirklich Gewinn machen -- mit konkretem Kalkulations-Schema.

Warum Catering-Kalkulation anders ist als Restaurantkalkulation

Catering kalkulieren bedeutet weit mehr als einen Wareneinsatz auszurechnen. Anders als im Restaurant, wo Gaesteanzahl und Infrastruktur weitgehend fix sind, variiert beim Catering fast alles: Anzahl Personen, Location, Dauer, Equipmentbedarf, Anfahrtsweg, Auf- und Abbauzeit. Wer diese Faktoren nicht systematisch erfasst, produziert Angebote, die entweder zu teuer und damit nicht konkurrenzfaehig sind -- oder zu guenstig und damit verlustbringend.

In der Schweizer Catering-Branche liegt die Durchschnittsmarge bei professionell gefuehrten Betrieben zwischen 18 und 28 Prozent. Viele Anbieter bleiben darunter, weil sie versteckte Kosten vergessen oder den Personalaufwand unterschaetzen. Diese Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie ein wasserdichtes Kalkulations-Schema aufbauen.

Die fuenf Kostenbloecke beim Catering

1. Wareneinsatz (Food & Beverage Cost)

Der Wareneinsatz bildet die Basis jeder Kalkulation. Beim Catering empfehlen sich folgende Richtwerte:

Catering-Art Ziel-Food-Cost Begruendung
Stehapero 22-28% Viele Snacks, hohe Marge bei Getraenken
Buffet sitzend 28-33% Mittlere Komplexitaet
Mehrgaengiges Menue 30-35% Arbeitsintensiv, edle Zutaten
Firmenevent mit Bar 25-30% Getraenke verbessern Gesamtmarge
Hochzeit 28-34% Oft gehobene Qualitaetsansprueche

Wichtig: Kalkulieren Sie immer mit einem Mengenaufschlag von 8-12 Prozent fuer unvorhergesehenen Mehrbedarf, Nachschlage-Portionen und Verderb beim Transport.

2. Personalkosten vor Ort

Personalkosten sind beim Catering der haeufigste Kalkulationsfehler. Zaehlen Sie nicht nur die Stunden, in denen die Mitarbeitenden beim Kunden sind -- sondern das vollstaendige Zeitfenster:

  • Vorbereitungszeit in der Kueche (Mise en place, Laden)
  • Anfahrt (Arbeitszeit, nicht nur Fahrtkosten)
  • Aufbauzeit vor Ort
  • Aktive Servicezeit
  • Abbauzeit
  • Rueckfahrt und Entladen

Formel fuer den Personalkostensatz:

Personalkosten = Anzahl Mitarbeitende x Gesamtstunden x Bruttostundensatz

Rechnen Sie mit dem Bruttostundensatz inkl. Arbeitgeberbeitraege (in der Schweiz ca. 13-17 % auf den Bruttolohn). Hinzu kommen allfaellige Spesen und Nachtzuschlaege.

Praxisbeispiel: Apero fuer 80 Personen, 4 Stunden Anlass

Aufgabe Personen Stunden CHF/Std. Total
Kueche (Vorbereitung + vor Ort) 2 8 CHF 38.00 CHF 608.00
Service 3 6 CHF 32.00 CHF 576.00
Spuelkraft 1 4 CHF 28.00 CHF 112.00
Total Personal CHF 1'296.00

3. Transport und Logistik

Transport wird haeufig zu tief angesetzt. Eine realistische Berechnung umfasst:

  • Fahrzeugkosten (Mietkosten oder kalkulatorische Kosten fuer eigenes Fahrzeug): CHF 0.80-1.20 pro km
  • Treibstoff (bereits enthalten, wenn km-Satz verwendet)
  • Parkgebuehren, Vignette, Mauttunnel
  • Kuehlbox-Miete oder Betrieb von Kuehlaggregaten

Faustregel: Bei Einsaetzen ueber 50 km sollte Transport als eigene Position im Angebot ausgewiesen werden. Unter 20 km koennen die Kosten pauschal in einen Overhead-Zuschlag einfliessen.

4. Equipment und Material

Zu den Equipment-Kosten zaehlen:

  • Geschirr, Besteck, Glaeser (Miete oder Abschreibung)
  • Servierplatten, Chafing-Dishes, Warmhaltesysteme
  • Dekorationsmaterial (Tischtuecher, Blumen, Kerzen)
  • Verpackungsmaterial fuer Transport
  • Einwegmaterial (Servietten, Zahnstocherspiesser)

Erstellen Sie eine interne Equipment-Liste mit Mietpreisen. So koennen Sie diese Position schnell und zuverlaessig pro Anlass berechnen.

5. Gemeinkosten-Anteil und Gewinnmarge

Jeder Catering-Anlass traegt zur Deckung der fixen Betriebskosten bei: Kueche, Buero, Versicherungen, Marketing, Verwaltung. Berechnen Sie Ihren Gemeinkostensatz:

Gemeinkostensatz = Fixkosten pro Monat / Umsatz pro Monat x 100

Ein typischer Gemeinkostensatz in der Catering-Branche liegt bei 15-22 Prozent.

Das vollstaendige Kalkulations-Schema

Hier das Schema in der Praxis -- Catering Sitzapero fuer 60 Personen, 3-stuendiger Anlass, Standort 25 km entfernt:

Kostenblock Berechnung Betrag
Wareneinsatz (Speisen) 60 P. x CHF 18.00/P. CHF 1'080.00
Wareneinsatz (Getraenke) 60 P. x CHF 9.00/P. CHF 540.00
Mengenaufschlag 10% CHF 162.00
Personal Gemaess Planung CHF 980.00
Transport 50 km x CHF 1.00 + Parking CHF 80.00
Equipment-Miete Pauschale Anlass CHF 240.00
Material (Verbrauch) CHF 45.00
Selbstkosten Total CHF 3'127.00
Gemeinkosten 18% CHF 562.86
Vollkosten CHF 3'689.86
Gewinnmarge 20% CHF 737.97
Angebotspreis netto CHF 4'427.83
MwSt 8.1% CHF 358.66
Angebotspreis brutto CHF 4'786.49
Pro Person CHF 79.77

Puffer einbauen: Wann und wie viel?

Erfahrene Catering-Profis kalkulieren situationsabhaengige Risikopuffer ein:

Puffer-Empfehlungen:

  1. Unbekannte Location: +5% auf Personal (Erschliessung unbekannt, schwierige Anlieferung moeglich)
  2. Erster Auftrag mit neuem Kunden: +3-5% auf Gesamtbetrag (unbekannte Anforderungen)
  3. Freiluftanlass ohne Wetterschutz: +8-10% (Plan B fuer schlechtes Wetter erfordert mehr Material)
  4. Sehr grosse Gruppen (200+ Personen): +5% auf Wareneinsatz (schwieriger einzuschaetzen)
  5. Komplexe Menue-Konzepte: +8% auf Personalkosten (laengere Vorbereitungszeit)

Der Puffer fliesst entweder direkt in die Marge oder wird als separate Position "Unvorhergesehenes" ausgewiesen.

Typische Fehler bei der Catering-Kalkulation

Fehler 1: Auf- und Abbauzeit wird nicht berechnet

Auf- und Abbauzeit machen beim Catering oft 30-50 Prozent der gesamten Personalzeit aus. Wer nur die Servicezeit kalkuliert, unterschreibt ein Verlustgeschaeft.

Fehler 2: Keine Differenzierung nach Zonen

Nicht jeder Bereich eines Buffets hat den gleichen Food Cost. Ein kaltes Buffet mit Salaten und Dips hat einen anderen Wareneinsatz als ein Grillstand mit Fleisch. Kalkulieren Sie zonenweise und gewichten Sie dann.

Fehler 3: Equipment-Verschleiss ignorieren

Geschirr bricht, Tischtuecher werden schmutzig, Dekomaterial nutzt sich ab. Wer keine Abschreibungskosten auf Equipment einrechnet, kumuliert stille Verluste.

Fehler 4: Kleinauftraege quersubventionieren

Ein Catering fuer 15 Personen hat fast dieselben Fixkosten (Anfahrt, Aufbau, Verwaltung) wie ein Anlass fuer 40 Personen -- aber nur halb so viel Umsatz. Rechnen Sie Kleinauftraege sorgfaeltig durch und sehen Sie Mindestpreise vor.

Fehler 5: Zahlungsziel nicht einkalkulieren

Bei Firmenkunden kann es 30-60 Tage dauern, bis die Rechnung bezahlt ist. Wer kurzfristig Vorleistungen erbringt und lange auf Zahlung wartet, traegt ein Liquiditaetsrisiko. Fordern Sie eine Anzahlung von 30-50 Prozent bei der Auftragsbestaetigung.

Angebot strukturieren: Was hineingehoert

Ein professionelles Catering-Angebot enthaelt:

  1. Auftragnehmer und Auftraggeber mit vollstaendigen Adressen
  2. Anlass-Beschreibung (Datum, Ort, Personenzahl, Zeitfenster)
  3. Leistungsbeschreibung (Menue, Service-Art, Equipment)
  4. Preise aufgeschluesselt nach Positionen (Speisen, Getraenke, Personal, Transport, Extras)
  5. Zahlungsmodalitaeten und Faelligkeiten
  6. Stornierungsbedingungen (z.B. 100% bei Absage < 48h)
  7. Allgemeine Geschaeftsbedingungen

Nachkalkulation: Das lernende System

Jedes abgeschlossene Catering ist eine Lernmoeglichkeit. Vergleichen Sie nach jedem Anlass:

  • Geplante vs. tatsaechliche Personalstunden
  • Geplanter vs. tatsaechlicher Wareneinsatz
  • Geplante vs. tatsaechliche Fahrtkosten

Abweichungen von mehr als 10 Prozent sollten Sie analysieren und als Korrekturfaktor in kuenftigen Angeboten beruecksichtigen.

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