Catering kalkulieren: Angebot erstellen das Gewinn bringt
Wie Sie ein professionelles Catering-Angebot kalkulieren, alle Kostenfaktoren beruecksichtigen und am Ende wirklich Gewinn machen -- mit konkretem Kalkulations-Schema.
Warum Catering-Kalkulation anders ist als Restaurantkalkulation
Catering kalkulieren bedeutet weit mehr als einen Wareneinsatz auszurechnen. Anders als im Restaurant, wo Gaesteanzahl und Infrastruktur weitgehend fix sind, variiert beim Catering fast alles: Anzahl Personen, Location, Dauer, Equipmentbedarf, Anfahrtsweg, Auf- und Abbauzeit. Wer diese Faktoren nicht systematisch erfasst, produziert Angebote, die entweder zu teuer und damit nicht konkurrenzfaehig sind -- oder zu guenstig und damit verlustbringend.
In der Schweizer Catering-Branche liegt die Durchschnittsmarge bei professionell gefuehrten Betrieben zwischen 18 und 28 Prozent. Viele Anbieter bleiben darunter, weil sie versteckte Kosten vergessen oder den Personalaufwand unterschaetzen. Diese Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie ein wasserdichtes Kalkulations-Schema aufbauen.
Die fuenf Kostenbloecke beim Catering
1. Wareneinsatz (Food & Beverage Cost)
Der Wareneinsatz bildet die Basis jeder Kalkulation. Beim Catering empfehlen sich folgende Richtwerte:
| Catering-Art | Ziel-Food-Cost | Begruendung |
|---|---|---|
| Stehapero | 22-28% | Viele Snacks, hohe Marge bei Getraenken |
| Buffet sitzend | 28-33% | Mittlere Komplexitaet |
| Mehrgaengiges Menue | 30-35% | Arbeitsintensiv, edle Zutaten |
| Firmenevent mit Bar | 25-30% | Getraenke verbessern Gesamtmarge |
| Hochzeit | 28-34% | Oft gehobene Qualitaetsansprueche |
Wichtig: Kalkulieren Sie immer mit einem Mengenaufschlag von 8-12 Prozent fuer unvorhergesehenen Mehrbedarf, Nachschlage-Portionen und Verderb beim Transport.
2. Personalkosten vor Ort
Personalkosten sind beim Catering der haeufigste Kalkulationsfehler. Zaehlen Sie nicht nur die Stunden, in denen die Mitarbeitenden beim Kunden sind -- sondern das vollstaendige Zeitfenster:
- Vorbereitungszeit in der Kueche (Mise en place, Laden)
- Anfahrt (Arbeitszeit, nicht nur Fahrtkosten)
- Aufbauzeit vor Ort
- Aktive Servicezeit
- Abbauzeit
- Rueckfahrt und Entladen
Formel fuer den Personalkostensatz:
Personalkosten = Anzahl Mitarbeitende x Gesamtstunden x Bruttostundensatz
Rechnen Sie mit dem Bruttostundensatz inkl. Arbeitgeberbeitraege (in der Schweiz ca. 13-17 % auf den Bruttolohn). Hinzu kommen allfaellige Spesen und Nachtzuschlaege.
Praxisbeispiel: Apero fuer 80 Personen, 4 Stunden Anlass
| Aufgabe | Personen | Stunden | CHF/Std. | Total |
|---|---|---|---|---|
| Kueche (Vorbereitung + vor Ort) | 2 | 8 | CHF 38.00 | CHF 608.00 |
| Service | 3 | 6 | CHF 32.00 | CHF 576.00 |
| Spuelkraft | 1 | 4 | CHF 28.00 | CHF 112.00 |
| Total Personal | CHF 1'296.00 |
3. Transport und Logistik
Transport wird haeufig zu tief angesetzt. Eine realistische Berechnung umfasst:
- Fahrzeugkosten (Mietkosten oder kalkulatorische Kosten fuer eigenes Fahrzeug): CHF 0.80-1.20 pro km
- Treibstoff (bereits enthalten, wenn km-Satz verwendet)
- Parkgebuehren, Vignette, Mauttunnel
- Kuehlbox-Miete oder Betrieb von Kuehlaggregaten
Faustregel: Bei Einsaetzen ueber 50 km sollte Transport als eigene Position im Angebot ausgewiesen werden. Unter 20 km koennen die Kosten pauschal in einen Overhead-Zuschlag einfliessen.
4. Equipment und Material
Zu den Equipment-Kosten zaehlen:
- Geschirr, Besteck, Glaeser (Miete oder Abschreibung)
- Servierplatten, Chafing-Dishes, Warmhaltesysteme
- Dekorationsmaterial (Tischtuecher, Blumen, Kerzen)
- Verpackungsmaterial fuer Transport
- Einwegmaterial (Servietten, Zahnstocherspiesser)
Erstellen Sie eine interne Equipment-Liste mit Mietpreisen. So koennen Sie diese Position schnell und zuverlaessig pro Anlass berechnen.
5. Gemeinkosten-Anteil und Gewinnmarge
Jeder Catering-Anlass traegt zur Deckung der fixen Betriebskosten bei: Kueche, Buero, Versicherungen, Marketing, Verwaltung. Berechnen Sie Ihren Gemeinkostensatz:
Gemeinkostensatz = Fixkosten pro Monat / Umsatz pro Monat x 100
Ein typischer Gemeinkostensatz in der Catering-Branche liegt bei 15-22 Prozent.
Das vollstaendige Kalkulations-Schema
Hier das Schema in der Praxis -- Catering Sitzapero fuer 60 Personen, 3-stuendiger Anlass, Standort 25 km entfernt:
| Kostenblock | Berechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Wareneinsatz (Speisen) | 60 P. x CHF 18.00/P. | CHF 1'080.00 |
| Wareneinsatz (Getraenke) | 60 P. x CHF 9.00/P. | CHF 540.00 |
| Mengenaufschlag 10% | CHF 162.00 | |
| Personal | Gemaess Planung | CHF 980.00 |
| Transport | 50 km x CHF 1.00 + Parking | CHF 80.00 |
| Equipment-Miete | Pauschale Anlass | CHF 240.00 |
| Material (Verbrauch) | CHF 45.00 | |
| Selbstkosten Total | CHF 3'127.00 | |
| Gemeinkosten 18% | CHF 562.86 | |
| Vollkosten | CHF 3'689.86 | |
| Gewinnmarge 20% | CHF 737.97 | |
| Angebotspreis netto | CHF 4'427.83 | |
| MwSt 8.1% | CHF 358.66 | |
| Angebotspreis brutto | CHF 4'786.49 | |
| Pro Person | CHF 79.77 |
Puffer einbauen: Wann und wie viel?
Erfahrene Catering-Profis kalkulieren situationsabhaengige Risikopuffer ein:
Puffer-Empfehlungen:
- Unbekannte Location: +5% auf Personal (Erschliessung unbekannt, schwierige Anlieferung moeglich)
- Erster Auftrag mit neuem Kunden: +3-5% auf Gesamtbetrag (unbekannte Anforderungen)
- Freiluftanlass ohne Wetterschutz: +8-10% (Plan B fuer schlechtes Wetter erfordert mehr Material)
- Sehr grosse Gruppen (200+ Personen): +5% auf Wareneinsatz (schwieriger einzuschaetzen)
- Komplexe Menue-Konzepte: +8% auf Personalkosten (laengere Vorbereitungszeit)
Der Puffer fliesst entweder direkt in die Marge oder wird als separate Position "Unvorhergesehenes" ausgewiesen.
Typische Fehler bei der Catering-Kalkulation
Fehler 1: Auf- und Abbauzeit wird nicht berechnet
Auf- und Abbauzeit machen beim Catering oft 30-50 Prozent der gesamten Personalzeit aus. Wer nur die Servicezeit kalkuliert, unterschreibt ein Verlustgeschaeft.
Fehler 2: Keine Differenzierung nach Zonen
Nicht jeder Bereich eines Buffets hat den gleichen Food Cost. Ein kaltes Buffet mit Salaten und Dips hat einen anderen Wareneinsatz als ein Grillstand mit Fleisch. Kalkulieren Sie zonenweise und gewichten Sie dann.
Fehler 3: Equipment-Verschleiss ignorieren
Geschirr bricht, Tischtuecher werden schmutzig, Dekomaterial nutzt sich ab. Wer keine Abschreibungskosten auf Equipment einrechnet, kumuliert stille Verluste.
Fehler 4: Kleinauftraege quersubventionieren
Ein Catering fuer 15 Personen hat fast dieselben Fixkosten (Anfahrt, Aufbau, Verwaltung) wie ein Anlass fuer 40 Personen -- aber nur halb so viel Umsatz. Rechnen Sie Kleinauftraege sorgfaeltig durch und sehen Sie Mindestpreise vor.
Fehler 5: Zahlungsziel nicht einkalkulieren
Bei Firmenkunden kann es 30-60 Tage dauern, bis die Rechnung bezahlt ist. Wer kurzfristig Vorleistungen erbringt und lange auf Zahlung wartet, traegt ein Liquiditaetsrisiko. Fordern Sie eine Anzahlung von 30-50 Prozent bei der Auftragsbestaetigung.
Angebot strukturieren: Was hineingehoert
Ein professionelles Catering-Angebot enthaelt:
- Auftragnehmer und Auftraggeber mit vollstaendigen Adressen
- Anlass-Beschreibung (Datum, Ort, Personenzahl, Zeitfenster)
- Leistungsbeschreibung (Menue, Service-Art, Equipment)
- Preise aufgeschluesselt nach Positionen (Speisen, Getraenke, Personal, Transport, Extras)
- Zahlungsmodalitaeten und Faelligkeiten
- Stornierungsbedingungen (z.B. 100% bei Absage < 48h)
- Allgemeine Geschaeftsbedingungen
Nachkalkulation: Das lernende System
Jedes abgeschlossene Catering ist eine Lernmoeglichkeit. Vergleichen Sie nach jedem Anlass:
- Geplante vs. tatsaechliche Personalstunden
- Geplanter vs. tatsaechlicher Wareneinsatz
- Geplante vs. tatsaechliche Fahrtkosten
Abweichungen von mehr als 10 Prozent sollten Sie analysieren und als Korrekturfaktor in kuenftigen Angeboten beruecksichtigen.
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