Kalkulation2026-02-053 Min. Lesezeit

Menuekalkulation: So kalkulierst du Gerichte richtig

Schritt-fuer-Schritt Anleitung zur professionellen Menuekalkulation -- mit Formeln, Beispielen und Profi-Tipps.

Was ist Menuekalkulation?

Menuekalkulation bedeutet, fuer jedes Gericht auf Ihrer Karte den exakten Wareneinsatz zu berechnen und daraus einen profitablen Verkaufspreis abzuleiten. Sie bildet das Fundament jeder erfolgreichen Gastronomie.

Die drei Saeulender Menuekalkulation

1. Zutatenkalkulation

Jede einzelne Zutat wird mit exakter Menge und aktuellem Einkaufspreis erfasst.

Wichtig dabei:

  • Immer den Netto-Einkaufspreis verwenden (ohne MwSt)
  • Mengen in der tatsaechlich verwendeten Einheit angeben
  • Einheiten korrekt umrechnen (z.B. 100g von einer 1kg-Packung)

2. Verlustkalkulation

Zwischen Einkauf und Teller geht immer Ware verloren:

Ruestverlust -- Was beim Vorbereiten wegfaellt:

  • Kartoffeln schaelen: ~15%
  • Zwiebeln: ~10%
  • Spargel: ~35%
  • Lachs filetieren: ~40%

Garverlust -- Was beim Kochen an Gewicht verloren geht:

  • Rindfleisch braten: ~25%
  • Poulet grillen: ~20%
  • Gemuese blanchieren: ~5-10%

Formel: Effektiver Bedarf = Menge x (1 + Ruestverlust/100) x (1 + Garverlust/100)

3. Verkaufspreisberechnung

Vom Wareneinsatz zum Verkaufspreis:

Verkaufspreis = Wareneinsatz pro Portion / (Ziel-Food-Cost / 100)

Praxisbeispiel: Zuercher Geschnetzeltes

Zutaten fuer 4 Portionen

Zutat Menge Einheit Preis/Einheit Ruest % Gar % Kosten
Kalbfleisch 600 g CHF 52.00/kg 5% 25% CHF 41.21
Champignons 200 g CHF 8.00/kg 10% 10% CHF 1.94
Rahm 3 dl CHF 4.50/l 0% 0% CHF 1.35
Weisswein 1 dl CHF 12.00/l 0% 0% CHF 1.20
Butter 30 g CHF 18.00/kg 0% 0% CHF 0.54
Gewuerze/Oel - - pauschal - - CHF 0.50
Total CHF 46.74

Pro Portion: CHF 46.74 / 4 = CHF 11.69

Verkaufspreis bei 30% Ziel-Food-Cost: CHF 11.69 / 0.30 = CHF 38.95 (gerundet: CHF 39.00)

Preispsychologie

Preisendungen

  • CHF X.90 oder CHF X.50 wirken guenstiger als glatte Betraege
  • In der Fine-Dining-Gastronomie sind glatte Preise ueblicher
  • Unbedingt an die Positionierung des Betriebs anpassen

Preisanker setzen

  • Das teuerste Gericht auf der Karte dient als Anker
  • Mittelpreisige Gerichte wirken dadurch guenstiger
  • Empfehlung: Ankergerichte mit hoher Marge waehlen

Die haeufigstenKalkulationsfehler

  1. Gewuerze und Basics vergessen -- Oel, Salz, Pfeffer, Kraeuter summieren sich auf CHF 0.30-0.80 pro Gericht
  2. Veraltete Einkaufspreise -- Mindestens monatlich aktualisieren
  3. Garverluste nicht beruecksichtigen -- Macht bei Fleischgerichten 20-30% Unterschied
  4. Cross-Selling ignorieren -- Beilagen, Getraenke und Desserts haben oft bessere Margen
  5. Keine Mischkalkulation -- Nicht jedes Gericht muss den gleichen Food Cost haben

Food Cost nach Kategorie

Kategorie Empfohlener Food Cost
Vorspeisen 25-28%
Hauptgerichte 28-35%
Desserts 20-25%
Getraenke (alkoholisch) 18-22%
Getraenke (nicht-alkoholisch) 10-15%
Menus/Kombinationen 28-32% (gewichteter Durchschnitt)

Fazit

Professionelle Menuekalkulation ist keine Raketenwissenschaft -- aber sie erfordert Systematik und aktuelle Daten. Wer seine Gerichte sorgfaeltig kalkuliert, weiss genau, welche Gerichte Geld verdienen und wo Optimierungspotenzial liegt.

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