Menuekalkulation: So kalkulierst du Gerichte richtig
Schritt-fuer-Schritt Anleitung zur professionellen Menuekalkulation -- mit Formeln, Beispielen und Profi-Tipps.
Was ist Menuekalkulation?
Menuekalkulation bedeutet, fuer jedes Gericht auf Ihrer Karte den exakten Wareneinsatz zu berechnen und daraus einen profitablen Verkaufspreis abzuleiten. Sie bildet das Fundament jeder erfolgreichen Gastronomie.
Die drei Saeulender Menuekalkulation
1. Zutatenkalkulation
Jede einzelne Zutat wird mit exakter Menge und aktuellem Einkaufspreis erfasst.
Wichtig dabei:
- Immer den Netto-Einkaufspreis verwenden (ohne MwSt)
- Mengen in der tatsaechlich verwendeten Einheit angeben
- Einheiten korrekt umrechnen (z.B. 100g von einer 1kg-Packung)
2. Verlustkalkulation
Zwischen Einkauf und Teller geht immer Ware verloren:
Ruestverlust -- Was beim Vorbereiten wegfaellt:
- Kartoffeln schaelen: ~15%
- Zwiebeln: ~10%
- Spargel: ~35%
- Lachs filetieren: ~40%
Garverlust -- Was beim Kochen an Gewicht verloren geht:
- Rindfleisch braten: ~25%
- Poulet grillen: ~20%
- Gemuese blanchieren: ~5-10%
Formel:
Effektiver Bedarf = Menge x (1 + Ruestverlust/100) x (1 + Garverlust/100)
3. Verkaufspreisberechnung
Vom Wareneinsatz zum Verkaufspreis:
Verkaufspreis = Wareneinsatz pro Portion / (Ziel-Food-Cost / 100)
Praxisbeispiel: Zuercher Geschnetzeltes
Zutaten fuer 4 Portionen
| Zutat | Menge | Einheit | Preis/Einheit | Ruest % | Gar % | Kosten |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kalbfleisch | 600 | g | CHF 52.00/kg | 5% | 25% | CHF 41.21 |
| Champignons | 200 | g | CHF 8.00/kg | 10% | 10% | CHF 1.94 |
| Rahm | 3 | dl | CHF 4.50/l | 0% | 0% | CHF 1.35 |
| Weisswein | 1 | dl | CHF 12.00/l | 0% | 0% | CHF 1.20 |
| Butter | 30 | g | CHF 18.00/kg | 0% | 0% | CHF 0.54 |
| Gewuerze/Oel | - | - | pauschal | - | - | CHF 0.50 |
| Total | CHF 46.74 |
Pro Portion: CHF 46.74 / 4 = CHF 11.69
Verkaufspreis bei 30% Ziel-Food-Cost: CHF 11.69 / 0.30 = CHF 38.95 (gerundet: CHF 39.00)
Preispsychologie
Preisendungen
- CHF X.90 oder CHF X.50 wirken guenstiger als glatte Betraege
- In der Fine-Dining-Gastronomie sind glatte Preise ueblicher
- Unbedingt an die Positionierung des Betriebs anpassen
Preisanker setzen
- Das teuerste Gericht auf der Karte dient als Anker
- Mittelpreisige Gerichte wirken dadurch guenstiger
- Empfehlung: Ankergerichte mit hoher Marge waehlen
Die haeufigstenKalkulationsfehler
- Gewuerze und Basics vergessen -- Oel, Salz, Pfeffer, Kraeuter summieren sich auf CHF 0.30-0.80 pro Gericht
- Veraltete Einkaufspreise -- Mindestens monatlich aktualisieren
- Garverluste nicht beruecksichtigen -- Macht bei Fleischgerichten 20-30% Unterschied
- Cross-Selling ignorieren -- Beilagen, Getraenke und Desserts haben oft bessere Margen
- Keine Mischkalkulation -- Nicht jedes Gericht muss den gleichen Food Cost haben
Food Cost nach Kategorie
| Kategorie | Empfohlener Food Cost |
|---|---|
| Vorspeisen | 25-28% |
| Hauptgerichte | 28-35% |
| Desserts | 20-25% |
| Getraenke (alkoholisch) | 18-22% |
| Getraenke (nicht-alkoholisch) | 10-15% |
| Menus/Kombinationen | 28-32% (gewichteter Durchschnitt) |
Fazit
Professionelle Menuekalkulation ist keine Raketenwissenschaft -- aber sie erfordert Systematik und aktuelle Daten. Wer seine Gerichte sorgfaeltig kalkuliert, weiss genau, welche Gerichte Geld verdienen und wo Optimierungspotenzial liegt.
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