Die wichtigsten Kennzahlen fuer Ihr Restaurant: KPIs die jeder Gastronom kennen muss
Food Cost, RevPASH, Durchschnittsbon und Co.: Diese Restaurant-Kennzahlen zeigen Ihnen auf einen Blick, wo Ihr Betrieb Gewinn verliert und wie Sie gegensteuern.
Warum Restaurant-Kennzahlen ueber Erfolg und Misserfolg entscheiden
Im Alltag eines Gastronomen fehlt oft die Zeit, um die Zahlen hinter dem Betrieb wirklich zu verstehen. Der Kassensturz am Ende des Abends fuehlt sich gut an, und doch bleibt am Monatsende weniger uebrig als erwartet. Der Grund: Ohne Restaurant-Kennzahlen und KPIs arbeiten Sie blind. Sie wissen, wie viel Umsatz Sie gemacht haben, aber nicht, warum der Gewinn nicht stimmt.
Die wichtigsten KPIs fuer Ihr Restaurant geben Ihnen diese Transparenz. Sie zeigen, ob Ihr Wareneinsatz zu hoch ist, ob Ihr Personal ineffizient eingesetzt wird, ob Tische zu langsam umgedreht werden oder ob Ihre Speisekarte falsch kalkuliert ist. In diesem Artikel stellen wir die zwoelf wichtigsten Kennzahlen vor und erklaeren, wie Sie diese praktisch tracken.
Die 12 wichtigsten Restaurant-KPIs auf einen Blick
| KPI | Formel | Richtwert (CH) |
|---|---|---|
| Food Cost | Wareneinsatz / Speisenums. × 100 | 28-35% |
| Beverage Cost | Getr.-Einsatz / Getr.-Ums. × 100 | 18-25% |
| Personalkostenquote | Personalkosten / Nettoumsatz × 100 | 30-35% |
| Prime Cost | Food Cost + Personalkosten | max. 65% |
| Bruttogewinnmarge | (Ums. - Wareneinsatz) / Ums. × 100 | 65-75% |
| Durchschnittsbon | Umsatz / Anzahl Gaeste | betriebsspezifisch |
| Tischumdrehung | Gaeste / Sitzplaetze | > 1,5× am Abend |
| RevPASH | Umsatz / (Sitzpl. × Oeffnungsst.) | betriebsspezifisch |
| Sitzplatzauslastung | Besetzte Sitzpl. / Gesamtsitzpl. | 70-80% als Ziel |
| Getranke-Anteil | Getr.-Umsatz / Gesamtumsatz | 25-40% |
| Stornoquote | Stornos / Reservierungen × 100 | < 5% |
| Personalumsatz | Umsatz / Anzahl Mitarbeitende | betriebsspezifisch |
Food Cost: Die Mutter aller Gastro-Kennzahlen
Der Food Cost ist der prozentuale Anteil der Rohwarenkosten an Ihrem Speisengeschaeft. Er ist die fundamentalste Kennzahl, die Sie taeglich im Blick haben sollten.
Berechnung:
Food Cost = (Wareneinsatz / Speisensumsatz) × 100
Beispiel: Sie haben in einem Monat Speisen fuer CHF 48.000 verkauft. Ihr Wareneinsatz betrug CHF 15.840. Ihr Food Cost betraegt damit 33 Prozent.
In der Schweizer Gastronomie sind 28-35 Prozent der Richtwert, je nach Betriebstyp. Fine Dining kann durch hoehere Preise einen Food Cost von 28-30 Prozent erzielen. Ein einfaches Bistro liegt eher bei 32-35 Prozent.
Warum der Food Cost aus dem Ruder laeuft:
- Fehlende Standardrezepturen (jeder kocht anders)
- Schlechte Portionskontrolle
- Zu viel Abfall und Verlust
- Fehlende Inventurkontrolle
- Einkaufspreise steigen, Verkaufspreise bleiben gleich
Beverage Cost: Oft unterschaetzt, massiv hebenwirksam
Viele Gastronomen achten stark auf den Food Cost, vernachlaessigen aber den Beverage Cost. Dabei bieten Getraenke oft die bessere Marge und gleichzeitig mehr Einsparpotenzial.
Der Beverage Cost sollte in der Regel zwischen 18 und 25 Prozent liegen. Weine koennen hoeher sein (25-35%), Softdrinks deutlich niedriger (8-12%), und Cocktails liegen bei gut kalkulierten Betrieben unter 20 Prozent.
Was den Beverage Cost treibt:
- Schlechte Portionskontrolle (zu grosszuegige Einschenken)
- Mitarbeiterkonsum ohne Kontrolle
- Schwund (Flaschen, die nicht vollstaendig verrechnet werden)
- Fehlende Inventur an der Bar
Personalkostenquote: Der groesste Einzelposten
Die Personalkostenquote ist in der Schweiz strukturell hoch. Loehne, AHV, ALV, Pensionskasse, Unfallversicherung und weitere Soziallasten machen typischerweise 130-140 Prozent des Bruttoloehns aus.
Richtwert: 30-35% des Nettoumsatzes
Berechnen Sie die Personalkostenquote immer inkl. aller Soziallasten, nicht nur der ausbezahlten Loehne. Viele Gastronomen erschrecken, wenn sie zum ersten Mal den echten Wert sehen.
Prime Cost: Der wichtigste kombinierte KPI
Der Prime Cost kombiniert Food Cost, Beverage Cost und Personalkostenquote in einer einzigen Kennzahl. Er zeigt, wie viel Prozent Ihres Umsatzes in die beiden groessten Kostenbloecke fliesst.
Prime Cost = Food Cost + Beverage Cost + Personalkostenquote
Richtwert: maximal 60-65% des Nettoumsatzes
Liegt Ihr Prime Cost ueber 65 Prozent, wird es eng. Von den verbleibenden 35 Prozent muessen Sie Miete, Energie, Versicherungen, Marketing und den eigenen Lohn decken. In der Schweiz sind die Fixkosten hoch, daher sollten Sie den Prime Cost so nah wie moeglich an 60 Prozent zu bringen versuchen.
Durchschnittsbon: Zeigt, was Gaeste wirklich ausgeben
Der Durchschnittsbon (auch Average Check oder Cover Average) gibt an, wie viel ein Gast pro Besuch ausgibt. Diese Kennzahl sollten Sie getrennt fuer Mittag und Abend, fuer Wochen- und Wochendentage sowie fuer verschiedene Saisons ausweisen.
Berechnung:
Durchschnittsbon = Gesamtumsatz / Anzahl Gaeste (Covers)
Warum der Durchschnittsbon wichtig ist:
Wenn Ihr Durchschnittsbon sinkt, waehrend die Gaestezahl gleich bleibt, verlieren Sie Umsatz. Moegliche Ursachen: Gaeste bestellen weniger Getraenke, verzichten auf Dessert oder das Service-Team verkauft nicht aktiv. Gezielte Upselling-Schulungen koennen den Durchschnittsbon um CHF 3-8 pro Gast erhoehen, was bei 100 Gaesten pro Abend CHF 300-800 zusaetzlichen Umsatz bedeutet.
Tischumdrehung: Wie oft dreht sich Ihr Saal?
Die Tischumdrehung (Table Turn Rate) zeigt, wie haeufig ein Tisch pro Service belegt wird. In der Gastronomie ist ein Tisch ein begrenztes Asset: Je haeufiger er umgedreht wird, desto mehr Umsatz generieren Sie mit demselben Raum.
Berechnung:
Tischumdrehung = Anzahl Gaeste / Anzahl Sitzplaetze
Richtwerte:
- Mittagsservice: 1,5 bis 2,0×
- Abendservice: 1,3 bis 1,8×
- Quick Service: bis zu 4,0×
Eine zu niedrige Tischumdrehung kann auf langsame Kueche, ineffizienten Service oder zu lange Verweilzeiten hindeuten. Eine zu hohe Tischumdrehung kann die Gaesterfahrung verschlechtern.
RevPASH: Der professionellste Umsatz-KPI
RevPASH steht fuer Revenue Per Available Seat Hour, auf Deutsch: Umsatz je verfuegbare Sitzplatzstunde. Dieser KPI stammt aus dem Revenue Management und ist besonders fuer groessere Betriebe relevant.
Berechnung:
RevPASH = Nettoumsatz / (Anzahl Sitzplaetze × Anzahl Oeffnungsstunden)
Beispiel: Ein Restaurant mit 60 Plaetzen, das 6 Stunden oeffnet, hat 360 verfuegbare Sitzplatzstunden. Bei einem Umsatz von CHF 3.600 erzielt es einen RevPASH von CHF 10.
Der RevPASH ist deshalb aussagekraeftiger als der reine Umsatz, weil er die Kapazitaet beruecksichtigt. Ein Restaurant mit 40 Plaetzen, das CHF 2.000 Abendums. macht, ist effizienter als eines mit 80 Plaetzen und demselben Umsatz.
Getraenke-Anteil: Oft ungenutzes Potenzial
Der Getraenke-Anteil am Gesamtumsatz ist ein indirekter Qualitaetsindikator fuer Upselling und Servicekultur. Empfehlungen fuer Wein, Aperitif und Digestif steigern den Bon erheblich und haben meist eine bessere Marge als Speisen.
Richtwert: 25-40% des Gesamtumsatzes
Liegt Ihr Getraenke-Anteil unter 20 Prozent, verlieren Sie Marge. Schulen Sie Ihr Service-Team in aktivem Getraenkeempfehlungen und ueberpruefen Sie Ihre Getraenkekarte auf Attraktivitaet und Preisstellung.
So tracken Sie KPIs in der Praxis
Die meisten der oben genannten Kennzahlen lassen sich aus drei Datenquellen ableiten:
- Kassensystem / POS: Umsaetze nach Kategorie, Anzahl Covers, Tischbelegung
- Wareneinkauf und Inventur: Wareneinsatz, Schwund, Bestandsveraenderungen
- Lohnbuchhaltung: Bruttoloehn, Soziallasten, Ueberstunden
Empfohlene Reporting-Frequenz:
| KPI | Frequenz |
|---|---|
| Food Cost / Beverage Cost | Woechentlich |
| Personalkostenquote | Woechentlich |
| Prime Cost | Monatlich |
| Durchschnittsbon | Taeglich |
| Tischumdrehung | Pro Service |
| RevPASH | Woechentlich |
Alarmwerte definieren und automatisch reagieren
Professionelles Controlling bedeutet nicht nur messen, sondern auch reagieren. Definieren Sie fuer jeden KPI einen Zielkorridor und einen Alarmwert:
| KPI | Ziel | Alarm |
|---|---|---|
| Food Cost | < 32% | > 36% |
| Beverage Cost | < 22% | > 27% |
| Personalkostenquote | < 33% | > 38% |
| Prime Cost | < 62% | > 68% |
| Durchschnittsbon | > CHF 45 | < CHF 38 |
Wenn ein Alarmwert ausgeloest wird, sollte eine strukturierte Analyse starten: Liegt es an einem bestimmten Wochentag? An einer Kategorie? An einem einzelnen Mitarbeitenden?
Fazit: Kennzahlen sind keine Buerokratie, sondern Ihr Steuer
Restaurant-KPIs sind kein administrativer Aufwand, sondern Ihr Fruehwarnsystem. Betriebe, die KPIs konsequent tracken, erkennen Probleme Wochen bevor sie das Bankkonto belasten. Sie koennen gezielt eingreifen, bevor sich ein Trend festigt.
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